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Reisekrankheit

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Was ist Reisekrankheit und wie entsteht sie?

Reisekrankheit, auch Kinetose genannt, ist eine vorübergehende Störung des Gleichgewichtssinns, die während einer Fahrt, eines Fluges oder einer Schiffsreise auftreten kann. Sie entsteht durch widersprüchliche Signale zwischen dem Auge und dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Wenn sich der Körper bewegt, aber die Augen etwas anderes wahrnehmen, kann dies zu Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen führen.

Die Symptome treten besonders häufig bei Kindern zwischen 4 und 12 Jahren auf, können aber Menschen jeden Alters betreffen. Frauen sind statistisch häufiger betroffen als Männer. Die Intensität der Reisekrankheit hängt von der Art der Fortbewegung, der Dauer der Reise und der individuellen Empfindlichkeit ab.

Symptome und Anzeichen erkennen

Die Symptome der Reisekrankheit zeigen sich meist schon kurz nach Beginn einer Fahrt oder eines Fluges. Zu den häufigsten Anzeichen gehören Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein. Manche Menschen berichten auch von Schwindel, Blässe und erhöhtem Speichelfluss.

Die Symptome verschwinden in der Regel innerhalb von kurzer Zeit nach Ende der Bewegung. Bei längeren Reisen können sie jedoch länger andauern. Es ist wichtig, die ersten Anzeichen zu erkennen, um rechtzeitig Maßnahmen ergreifen zu können. Manche Menschen entwickeln bereits psychische Symptome wie Angst vor der Reisekrankheit, was die Beschwerden noch verstärken kann.

Behandlungsmöglichkeiten und Medikamente

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Reisekrankheit zu behandeln. Die wirksamste Methode ist die Prävention durch rechtzeitige Einnahme von Medikamenten vor der Reise.

Antihistaminika

Die am häufigsten verwendeten Mittel gegen Reisekrankheit in Deutschland sind Antihistaminika wie Dimenhydrinat und Meclozin. Diese wirken, indem sie die Signalübertragung im Gehirn beeinflussen und so Übelkeit und Schwindel reduzieren. Dimenhydrinat ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich: Tabletten, Dragees, Tropfen und Zäpfchen. Die bekannten Präparate wie Vomex A und Dramamin gehören zu dieser Wirkstoffgruppe und sind in deutschen Apotheken leicht erhältlich.

Scopolamin

Ein weiteres wirksames Medikament ist Scopolamin, das als Pflaster erhältlich ist. Das Pflaster wird hinter dem Ohr angebracht und gibt über 72 Stunden hinweg kontinuierlich Wirkstoff ab. Dies ist besonders für längere Reisen geeignet und bietet eine komfortable Alternative zu Tabletten.

Metoclopramid

Dieses Medikament wirkt hauptsächlich gegen Übelkeit und Erbrechen, indem es die Magenbewegungen reguliert. Es ist eine gute Option für Menschen, bei denen Übelkeit im Vordergrund steht.

Natürliche Alternativen

Ingwer in Form von Bonbons, Kapseln oder Tee kann bei manchen Menschen wirksam sein. Auch Minze und andere pflanzliche Mittel gelten als natürliche Hilfe gegen leichte Reisekrankheit und sind oft verträglicher für empfindliche Personen.

Prävention und praktische Tipps

Neben Medikamenten gibt es verschiedene praktische Maßnahmen, um Reisekrankheit zu vermeiden oder zu lindern:

  • Positionierung und Blickrichtung: Im Auto sollte man nach vorne schauen, statt auf das Mobiltelefon oder ein Buch zu blicken. Auf Schiffen hilft es, den Blick auf den Horizont zu richten. Im Flugzeug sollte man einen Fensterplatz wählen und ebenfalls den Blick nach außen richten.
  • Ernährung: Leichte Mahlzeiten vor und während der Reise sind empfehlenswert. Schwere, fette oder würzige Speisen können Übelkeit verstärken. Ausreichend Flüssigkeit trinken ist wichtig, aber nicht zu viel auf einmal.
  • Frische Luft: Eine gute Belüftung und frische Luft können hilfreich sein. Im Auto sollte man regelmäßig lüften, bei Schiffsreisen Zeit an Deck verbringen.
  • Ablenkung und Entspannung: Musik hören, entspannende Atemübungen oder leichte Bewegungen können ablenken und entspannen.
  • Frühzeitige Medikamenteneinnahme: Medikamente sollten etwa 30-60 Minuten vor Reiseantritt eingenommen werden, damit sie wirken können.

Besonderheiten bei verschiedenen Reisearten

Reisekrankheit tritt je nach Transportmittel unterschiedlich häufig auf.

Auto- und Busreisen

Bei Autofahrten ist es wichtig, den Blick nicht auf bewegliche Objekte zu fixieren. Regelmäßige Pausen helfen, die Symptome zu lindern. Der Fahrer ist weniger betroffen als Passagiere, da er aktiv am Verkehr teilnimmt und somit eine bessere Kontrolle über die Bewegungen hat.

Flugreisen

Während des Fluges können Übelkeit und Schwindel auftreten, besonders bei Turbulenzen. Ein Fensterplatz mit Blick nach außen ist hilfreich. Die meisten Menschen vertragen Flüge jedoch gut, da die Bewegungen gleichmäßig sind.

Seereisen

Schiffe sind die häufigste Ursache für Reisekrankheit. Der Blick auf den Horizont, Aufenthalt an Deck und Konzentration auf einen festen Punkt helfen. Mittschiffskabinen sind weniger von Bewegungen betroffen als Kabinen am Bug oder Heck.

Zugfahrten

Züge verursachen bei den meisten Menschen weniger Probleme, da die Bewegungen sanfter und gleichmäßiger sind. Dennoch können manche Menschen Unbehagen verspüren, besonders auf kurvigen Strecken.

Wann zum Arzt und wichtige Informationen

In den meisten Fällen ist Reisekrankheit harmlos und verschwindet von selbst. Allerdings sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn die Symptome besonders schwerwiegend sind oder übermäßig lange anhalten. Dies könnte auf eine andere Grunderkrankung hindeuten, die ärztlich abgeklärt werden sollte.

Bestimmte Medikamente können Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen verursachen. Man sollte diese vor der Reise testen, um festzustellen, ob man sie verträgt. Schwangere und Stillende sollten ihren Arzt oder ihre Apothekerin konsultieren, bevor sie Medikamente einnehmen, da nicht alle Wirkstoffe in dieser Zeit geeignet sind.

Kinder unter 2 Jahren sollten nicht mit Reisekrankheitsmitteln behandelt werden. Für ältere Kinder gibt es spezielle Darreichungsformen mit angepassten Dosierungen. Besondere Vorsicht ist auch bei älteren Menschen und Personen mit Grunderkrankungen geboten.

Wer regelmäßig unter Reisekrankheit leidet, kann diese durch gezieltes Training verbessern. Auch psychologische Faktoren spielen eine wichtige Rolle – wer sich entspannt und nicht angespannt ist, hat deutlich weniger Beschwerden. Mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen und bei Bedarf mit geeigneten Medikamenten aus Ihrer Apotheke können Sie Ihre Reisen angenehmer gestalten.